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Schweizer PFAS-Regulierung: Was plant das BAFU bis 2027?

31. August 2026

Im Feuerwehr-Ausbildungszentrum Riedikon in Uster mussten für einen Neubau rund 2000 Tonnen Erde aufwendig saniert werden, weil jahrzehntelanger Einsatz von PFAS-haltigen Loeschschaeumen den Boden vergiftet hatte. Die Mehrkosten beliefen sich auf mindestens 600'000 Franken, und das ist nur eines von Dutzenden ähnlichen Beispielen quer durch die Schweizer Kantone. Genau solche Fälle zeigen, warum die Frage nach einer einheitlichen nationalen Regulierung längst überfällig war.

Der Aktionsplan vom Dezember 2025

Am 19. Dezember 2025 hat der Bundesrat einen offiziellen Aktionsplan zum Umgang mit per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) verabschiedet. Grundlage war ein Bericht, der in Erfuellung des Postulats 22.4585 Moser erarbeitet wurde. Das Postulat forderte den Bund auf, eine koordinierte Strategie für den Umgang mit langlebigen Chemikalien vorzulegen.

Die Kernbotschaft des Aktionsplans: Laufende und geplante Massnahmen der verschiedenen Bundesämter sollen gebündelt, besser koordiniert und gemeinsam mit den Kantonen umgesetzt werden. Das Eidgenoessische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) erhielt den Auftrag, den vollständigen Aktionsplan bis Ende 2027 dem Bundesrat vorzulegen.

Was ändert sich konkret beim Trinkwasser?

Für viele Menschen ist die wichtigste Frage: Ist mein Trinkwasser sicher? Die Schweiz hat hier in Abstimmung mit der EU neue Grenzwerte eingeführt, die ab 2026 gelten:

  • Die Summe von 20 definierten PFAS-Verbindungen darf im Trinkwasser den Wert von 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten.
  • Für die besonders problematischen Einzelstoffe PFOS, PFOA, PFNA und PFHxS gilt gemeinsam ein Höchstwert von 0,02 Mikrogramm pro Liter.

Diese Werte lehnen sich eng an die EU-Trinkwasserrichtlinie an. Damit schliesst die Schweiz eine seit Jahren beklagte Regulierungslücke. Zuvor gab es nur für PFOS und PFOA separate Grenzwerte, während die gesamte Stoffgruppe der PFAS regulatorisch weitgehend im Dunkeln lag.

Schaumlöschmittel: Neue Verbote greifen

Seit Dezember 2025 ist ausserdem die Herstellung und das Inverkehrbringen von PFHxA und ihren Vorläuferverbindungen für bestimmte Anwendungen in der Schweiz geregelt. PFHxA (Perfluorhexansäure) zählt zu den kürzerkettigen PFAS, die als Ersatzstoff für das längst verbotene PFOS in Schaumlöschmitteln eingesetzt wurden. Für die Abgabe bereits hergestellter Präparate gilt eine Übergangsfrist bis zum 31. Oktober 2026.

Ein weitergehender Regulierungsvorschlag des BAFU sieht vor, alle PFAS in Schaumlöschmitteln vollständig zu verbieten. Das würde Feuerwehren und Industriebetriebe betreffen, die bislang noch PFAS-haltige Mittel verwenden. Wann genau dieser Schritt kommt, hängt von den Ergebnissen der laufenden Konsultationen ab.

Das Fallbeispiel Uster: Was ein Sanierungsfall über die Regulierungslücke verrät

Zurück nach Uster. Die Geschichte des Feuerwehr-Ausbildungszentrums Riedikon illustriert ein grundlegendes Problem der bisherigen Schweizer PFAS-Politik: Jahrzehntelang fehlten klare Anforderungen, welche Loeschschaeume bei Übungen eingesetzt werden dürfen und wie kontaminierte Flächen zu behandeln sind. Das Ergebnis sind belastete Standorte quer durch alle Kantone.

Im Kanton St. Gallen wurden auf einem ehemaligen Brandübungsplatz beim Regionalgefängnis Altstätten ebenfalls PFAS im Boden nachgewiesen. Die Sanierung läuft, ist aber aufwendig und teuer. Ähnliches gilt für Deponien im Kanton Schwyz, konkret in Goldau, Küssnacht und Einsiedeln.

Wer bezahlt die Sanierung? Das ist in der Schweiz bisher nicht einheitlich geregelt. Bei militärischen Standorten übernimmt der Bund die Kosten, bei kommunalen Feuerwehr-Übungsplätzen hängt es vom Kanton ab. Genau hier will der Aktionsplan ansetzen: Durch eine starkere Koordination soll auch die Frage der Kostenverteilung klarer werden.

Kantone im Fokus: Wer ist besonders betroffen?

Die PFAS-Belastung ist in der Schweiz ungleich verteilt. Kantone mit vielen alten Industriestandorten, Militärflugplätzen oder Brandübungsplaetzen haben einen höheren Sanierungsbedarf. Der Kanton Aargau etwa hat eine eigene Erhebung aller Brandereignis- und Übungsplätze gestartet und bewertet betroffene Standorte systematisch.

Im Kanton St. Gallen ist die Lage besonders komplex: Nicht nur Böden und Wasser sind belastet, sondern auch Fleisch und Milch von Kühen, die auf kontaminierten Weiden grasten, überschreiten die zulassigen Grenzwerte. Das betrifft direkt landwirtschaftliche Betriebe und stellt die Behörden vor schwierige Entscheide.

Für Betroffene im Kanton Wallis gibt es bereits kantonale Richtwerte für PFAS (publiziert über das Service de l'environnement), während andere Kantone noch auf nationale Vorgaben warten. Diese Ungleichheit soll durch den BAFU-Aktionsplan beseitigt werden.

Verzögerter Schutz: Warum die Schweiz langsam ist

Kritiker weisen darauf hin, dass die Schweiz beim PFAS-Schutz erst spät reagiert hat. Ein Bericht von 20 Minuten zeigte, dass die Anpassung der Trinkwassergrenzwerte mehrfach verschoben wurde, obwohl die wissenschaftliche Datenlage längst klar war. Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hatte bereits 2020 einen neuen, deutlich strengeren tolerierbaren Aufnahmewert für PFAS festgelegt.

Die Schweiz argumentiert, sie müsse ihre Regulierungsschritte mit der EU-Entwicklung koordinieren, um den bilateralen Handelsbeziehungen nicht zu schaden. Das ist nachvollziehbar, hat aber seinen Preis: Standortsanierungen, die früher hätten begonnen werden können, wurden hinausgezögert.

Was bis Ende 2027 zu erwarten ist

Der Zeitplan des Bundesrats ist ambitioniert. Das UVEK soll den vollständigen Aktionsplan bis Ende 2027 vorlegen. Konkret bedeutet das:

  • Koordinierte Zusammenarbeit zwischen BAFU, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), Bundesamt für Gesundheit (BAG) und den Kantonen.
  • Klarere Vorgaben für den Umgang mit PFAS-belasteten Böden und Gewässern.
  • Mögliche Anpassung weiterer Grenzwerte in Lebensmitteln und Umweltmedien.
  • Stärkere Öffentlichkeitsinformation über PFAS-Belastungen und deren Gesundheitsrisiken.
  • Prüfung von Unterstützungsmassnahmen für PFAS-belastete Landwirtschaftsbetriebe.

Der Bundesrat hat ausserdem angekündigt, Hilfen für landwirtschaftliche Betriebe zu prüfen, die durch PFAS-Belastungen wirtschaftliche Schäden erleiden. Wie diese konkret aussehen, ist noch offen.

Was bedeutet das für dich?

Lebst du in einem Kanton mit bekannten PFAS-Standorten? Dann lohnt ein Blick auf die kantonalen Behördenseiten. Viele Kantone veröffentlichen Erhebungen und Karten mit belasteten Standorten. Der Bund betreibt zudem das Grundwassermonitoring NAQUA, das PFAS-Werte im Grundwasser systematisch erfasst.

Für Eigentümerschaft von Liegenschaften in der Nähe ehemaliger Brandübungsplaetze oder Deponien empfiehlt sich eine frühzeitige Abklärung beim kantonalen Umweltamt. Eine spätere Sanierungspflicht kann erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Und falls du weisst, dass dein Trinkwasser aus einem Gebiet mit erhöhter PFAS-Belastung kommt: Aktuelle Messwerte sind in der Regel beim zuständigen Wasserversorgungsunternehmen oder beim Kanton abzurufen.

Häufige Fragen

Was ist der PFAS-Aktionsplan des Bundesrats?

Der Bundesrat verabschiedete am 19. Dezember 2025 einen nationalen Aktionsplan für den Umgang mit PFAS und anderen langlebigen Chemikalien. Das UVEK soll bis Ende 2027 konkrete Massnahmen zur Koordination, Sanierung und Information vorlegen.

Gelten in der Schweiz ab 2026 neue PFAS-Grenzwerte für Trinkwasser?

Ja. Ab 2026 darf die Summe von 20 definierten PFAS-Verbindungen im Trinkwasser 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten. Für PFOS, PFOA, PFNA und PFHxS zusammen gilt ein Limit von 0,02 Mikrogramm pro Liter, in Anlehnung an die EU-Trinkwasserrichtlinie.

Welche Kantone sind besonders stark von PFAS betroffen?

St. Gallen, Aargau, Schwyz und Zürich gehören zu den Kantonen mit dokumentierten PFAS-Belastungen bei Böden, Gewässern und teils Lebensmitteln. Grundlage sind meist ehemalige Brandübungsplaetze, Militärstandorte oder Deponien.

Sind PFAS-haltige Schaumlöschmittel in der Schweiz verboten?

Seit Dezember 2025 ist die Herstellung und das Inverkehrbringen von PFHxA und Vorläuferverbindungen für bestimmte Anwendungen geregelt. Ein umfassendes Verbot aller PFAS in Schaumlöschmitteln wird vom BAFU geprüft, ist aber noch nicht in Kraft.

Was tun, wenn mein Grundstück nahe einem PFAS-belasteten Standort liegt?

Wende dich an das kantonale Umweltamt und frage nach dem Sanierungskataster. Dort sind bekannte belastete Standorte erfasst. Eigentümerschaft können unter Umständen sanierungspflichtig werden, wenn die Belastung von ihrem Grundstück ausgeht.

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