Filter gegen PFAS: was funktioniert wirklich?
16. Mai 2026
Wer heute eine Wasserfilter-Kaufberatung aufruft, stösst unweigerlich auf den Begriff PFAS. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen gelten als «Ewigkeitschemikalien»: Sie bauen sich in der Umwelt kaum ab und reichern sich im menschlichen Körper an. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat im Nationalen Grundwasserbeobachtungsnetz NAQUA nachgewiesen, dass PFAS an rund der Hälfte aller Messstellen im Schweizer Grundwasser vorkommen. Kein Wunder, fragen sich viele Konsumentinnen und Konsumenten, ob ein Haushaltsfilter am Wasserhahn wirklich schützt. Die Antwort ist differenziert: Die Technologie entscheidet darüber, ob ein Filter überhaupt hilft – und wenn ja, bei welchen PFAS-Verbindungen.
Was sind PFAS, und warum sind sie so schwer zu entfernen?
Der Begriff PFAS umfasst eine Gruppe von mehr als 10 000 synthetischen Chemikalien, die seit den 1940er-Jahren industriell eingesetzt werden. Ihre Gemeinsamkeit: mindestens eine Kohlenstoff-Fluor-Bindung, die zu den stärksten chemischen Bindungen überhaupt gehört. Genau diese Eigenschaft macht PFAS zu exzellenten Hilfsstoffen in Antihaftbeschichtungen, Feuerlöschmitteln und Imprägniermitteln – und gleichzeitig zu einem hartnäckigen Umweltproblem.
Für die Wasseraufbereitung sind zwei Gruppen besonders relevant: langkettige PFAS (8 oder mehr Kohlenstoffatome, z. B. PFOS, PFOA, PFNA) und kurzkettige PFAS (4–7 Kohlenstoffatome, z. B. PFBA, PFBS, GenX). Langkettige PFAS lassen sich von den meisten Filtertechnologien besser abscheiden. Kurzkettige Verbindungen sind polarer, kleiner und wandern schneller durch herkömmliche Filtermaterialien hindurch – weshalb sie für Verbraucherinnen und Verbraucher die grössere Herausforderung darstellen. Dazu kommt Trifluoressigsäure (TFA), ein besonders kleines PFAS-Abbauprodukt, das in manchen Wasserproben in der Schweiz zunimmt und selbst Hochleistungsfilter fordert.
Die drei wichtigsten Filtertechnologien im Überblick
Aktivkohlefilter
Aktivkohle ist die am weitesten verbreitete Haushalt-Filtermethode. Kannenfilter wie die Brita Maxtra Pro oder der BWT Penguin arbeiten mit granulierter Aktivkohle (GAC). Ihre Stärke liegt in der enormen inneren Oberfläche: Ein Gramm Aktivkohle kann eine Fläche von bis zu 1 500 Quadratmetern aufweisen. PFAS-Moleküle lagern sich über van-der-Waals-Kräfte und hydrophobe Wechselwirkungen an der Kohleoberfläche an – ein Prozess, der als Adsorption bezeichnet wird.
Die Effizienz hängt jedoch stark von der Kettenlänge ab. Langkettige PFAS werden mit frischer Aktivkohle zu 70–90 % zurückgehalten. Kurzkettige Verbindungen wie PFBA oder TFA passieren die Kohle hingegen weitgehend ungehindert – Entfernungsraten unter 30 % sind bei kurzkettigen PFAS üblich. Hinzu kommt, dass Aktivkohle eine begrenzte Kapazität hat: Ist die Oberfläche gesättigt, werden bereits gebundene PFAS wieder freigesetzt, ein sogenannter «Chromatographie-Effekt». Der BWT Penguin und die Brita-Linie bieten keinen Indikator für PFAS-Sättigung – der Kartuschwechsel richtet sich nach dem Wasservolumen, nicht nach der tatsächlichen Schadstofflast.
Stiftung Warentest und der Schweizer K-Tipp haben Aktivkohle-Kannenfilter mehrfach untersucht. Das Fazit ist ähnlich: Kalk, Blei und Kupfer werden gut gefiltert; bei Pestiziden und PFAS ist die Leistung unzuverlässig. Der Saldo-Konsumentenmagazin empfiehlt, Leitungswasser in den meisten Schweizer Gemeinden grundsätzlich ohne Filterung zu trinken, solange die BAFU-Messwerte eingehalten werden.
Umkehrosmose (Reverse Osmosis, RO)
Umkehrosmose gilt unter Wasseraufbereitungsexperten als Goldstandard gegen PFAS. Eine semipermeable Membran mit Porendurchmessern von 0,0001 Mikrometer lässt Wassermoleküle passieren, hält aber nahezu alle gelösten Stoffe zurück – darunter PFAS unabhängig von ihrer Kettenlänge. Studien des Technologiezentrums Wasser Karlsruhe (TZW) zeigen Entfernungsraten von über 99 % für die meisten PFAS-Verbindungen, einschliesslich kurzkettiger Vertreter wie PFBS und PFBA.
In der Schweiz sind Unter-Spüle-Anlagen von Aquasana (AQ-5300 und AQ-RO-UNDER-SINK) und einige BWT-Systeme mit RO-Stufe erhältlich. Diese Geräte kombinieren typischerweise einen Sedimentvorfilter, eine RO-Membran und einen Nachfilter aus Aktivkohle. Der Vorteil: PFAS, Nitrat, Schwermetalle und Mikroplastik werden gleichzeitig abgeschieden. Der Nachteil: Der Betrieb erzeugt Abwasser im Verhältnis von 3:1 bis 5:1 (Abwasser zu Reinwasser), der Wasserdruck muss mindestens 2,8 bar betragen, und Mineralien wie Calcium und Magnesium werden ebenfalls entfernt, was den pH-Wert des Wassers leicht absenkt. Viele Geräte bieten deshalb einen Remineralisierungsfilter als fünfte Stufe an.
Für den Schweizer Markt sind die Installationskosten zu bedenken: Ein hochwertiges RO-System mit Einbau kostet zwischen 500 und 1 500 Franken. Membran- und Filterwechsel alle 12–24 Monate addieren rund 150–300 Franken pro Jahr.
Ionenaustauscher
Ionenaustauschharze – speziell Anionenaustauscher auf Basis von quaternärem Ammonium – binden PFAS-Anionen elektrostatisch. Im Gegensatz zu Aktivkohle funktioniert dieses Prinzip besonders gut bei kurzkettigen und polaren PFAS, die der Aktivkohle entgleiten. Einige Forschungsgruppen berichten von Entfernungsraten über 95 % auch für PFBS und PFBA, wenn Single-Use-Harze (nicht regenerierbare Einwegharze) eingesetzt werden.
Regenerierbare Ionenaustauscher erfordern regelmässige Spülungen mit Salz- oder Natronlaugenlösung. Dabei entstehen hochkonzentrierte PFAS-Abwässer, die nicht in die Kanalisation geleitet werden dürfen und einer Sonderentsorgung bedürfen. Für den Haushalt sind daher meist Einwegharze sinnvoller, obwohl diese teurer in der Entsorgung sind.
Für den privaten Einsatz bietet die Schweizer Firma Evodrop Kartuschen mit Ionentauscher-Komponenten an. Im industriellen Massstab setzt das VSA-Leitfadensystem (Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute, Ausgabe 2024) auf Kombination von Ionentauschern und RO für Trinkwasserwerke in PFAS-belasteten Gebieten.
Vergleichstabelle: Filtertechnologien und PFAS-Entfernung
| Filtertechnologie | Langkettige PFAS (≥C8) | Kurzkettige PFAS (C4–C7) | TFA | Kosten CHF/Jahr | Schweizer Marken/Modelle |
|---|---|---|---|---|---|
| Aktivkohle (GAC) Kanne | 70–90 % | <30 % | <10 % | 50–120 | Brita Maxtra Pro, BWT Penguin |
| Aktivkohle Block-Unter-Spüle | 80–95 % | 30–60 % | <20 % | 100–200 | BWT Inline-Systeme |
| Umkehrosmose (RO) | >99 % | >97 % | 70–90 % | 150–300 | Aquasana AQ-RO, BWT BestAqua |
| Anionenaustauscher (Einweg) | >95 % | >90 % | 50–70 % | 200–400 | Evodrop Kartuschen |
| RO + Ionentauscher (Kombi) | >99 % | >99 % | 80–95 % | 250–500 | Wasserwerke, Profi-Systeme |
Quellen: TZW Karlsruhe 2024, VSA-Leitfaden DE 2024, Evodrop Schweiz, Lenntech RO-Factsheet.
Was bringt ein Haushaltsfilter wirklich?
Für die meisten Schweizer Haushalte ist die eigentliche Frage, ob überhaupt ein Filter notwendig ist. Das BAFU betont in seiner NAQUA-Auswertung, dass die derzeit geltenden Grenzwerte in der Trinkwasserbeurteilungsverordnung (TBDV) an rund 98 % der Messstellen eingehalten werden. Die aktuellen Grenzwerte von 0,3 µg/l für PFOS und PFHxS sowie 0,5 µg/l für PFOA sollen ab 2026 durch einen Summengrenzwert von 0,1 µg/l für 20 PFAS-Verbindungen ersetzt werden – die Einführung wurde Ende 2025 aus politischen Gründen jedoch verschoben.
In Gemeinden nahe bekannter PFAS-Eintragsquellen (Flughäfen, Militärgelände, Industriezonen) kann die Belastung punktuell höher sein. Hier lohnt sich eine eigene Wasseranalyse, die beispielsweise über akkreditierte Schweizer Labors (SQTS, Institut für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der Universität Zürich) bezogen werden kann.
Wer einen Filter verwenden möchte, sollte folgende Punkte beachten:
- Keine übertriebenen Erwartungen an Kannenfilter: Brita und BWT filtern Kalk zuverlässig, sind gegen PFAS aber nur begrenzt wirksam. Kurzkettige PFAS und TFA passieren die Kohle nahezu ungehindert.
- RO für PFAS-belastetes Wasser: Wenn die Wasseranalyse erhöhte PFAS-Werte zeigt, ist Umkehrosmose die einzige Haushaltsmethode mit zuverlässig hoher Abscheideeffizienz über alle Kettenlängen.
- Regelmässiger Filterwechsel: Jeder Filter verliert mit der Zeit an Wirkung. Gesättigte Aktivkohle kann PFAS sogar in höherer Konzentration wieder freisetzen, als das ungefilterte Leitungswasser enthält.
- Zertifizierungen prüfen: Produkte mit NSF/ANSI 58 (Umkehrosmose) oder NSF/ANSI 53 (PFAS-Aktivkohle) sind von unabhängigen Labors auf ihre PFAS-Reduktionsleistung getestet worden. Viele in der Schweiz erhältliche Kannenfilter verfügen nicht über diese Zertifizierung.
Nachhaltigkeit und Ressourcenverbrauch
Neben der Filterleistung spielen Umweltaspekte eine Rolle. Aktivkohle-Kartuschen von Brita und BWT erzeugen Plastikmüll und müssen als Sondermüll entsorgt werden – Rücknahme-Programme existieren, werden aber nicht flächendeckend genutzt. Umkehrosmose-Systeme verbrauchen pro Liter Reinwasser 3–5 Liter Abwasser, was in wasserarmen Regionen eine Belastung darstellt. Das Empa-Forschungsinstitut in Dübendorf untersucht im Rahmen des Schweizer Nationalen Forschungsprogramms NFP 73 alternative PFAS-Abbaumethoden wie elektrochemische Oxidation, die in Zukunft energie- und ressourcenschonender sein könnten.
FAQ: Filter gegen PFAS
Filtert Brita PFAS aus dem Wasser?
Teilweise. Brita-Kannenfilter auf Aktivkohlebasis reduzieren langkettige PFAS um 70–90 %, sind gegen kurzkettige PFAS wie PFBA oder TFA aber kaum wirksam. Für zuverlässigen PFAS-Schutz ist Umkehrosmose nötig.
Ist BWT besser als Brita bei PFAS?
BWT-Produkte verwenden ebenfalls Aktivkohle; die Grundtechnologie ist vergleichbar. BWT bietet zusätzlich Magnesiumionisierung für den Geschmack, was jedoch keinen Einfluss auf die PFAS-Entfernung hat. Für PFAS braucht es ein RO-System, unabhängig von der Marke.
Entfernt Umkehrosmose auch TFA?
Zu einem erheblichen Teil: RO-Membranen halten TFA zu 70–90 % zurück. TFA ist das kleinste der bekannten PFAS und damit schwieriger zu filtern als langkettige Verbindungen. Eine zusätzliche Ionentauscherstufe erhöht die TFA-Entfernung weiter.
Muss ich in der Schweiz überhaupt filtern?
In den meisten Gemeinden hält das Trinkwasser die TBDV-Grenzwerte ein. Das BAFU empfiehlt, bei Unsicherheit eine akkreditierte Wasseranalyse zu machen, bevor man in Filtersysteme investiert. Eine Analyse kostet 200–600 Franken und liefert belastbare Daten für Ihre konkrete Wasserversorgung.
Wie oft muss ich Filterpatronen wechseln?
Aktivkohle-Kartuschen sollten spätestens nach der Herstellerangabe (meist alle 4 Wochen oder nach 150 Litern) ersetzt werden, da gesättigte Kohle PFAS wieder ins Wasser abgeben kann. RO-Membranen halten 12–24 Monate, Vorfilter 6–12 Monate.
Gibt es Schweizer Labels für geprüfte Wasserfilter?
In der Schweiz gibt es kein eigenes PFAS-Filterlabel. Massgeblich sind die US-Normen NSF/ANSI 53 (PFAS-Aktivkohle) und NSF/ANSI 58 (Umkehrosmose). Beim Kauf eines Filters sollten Konsumentinnen und Konsumenten explizit nach diesen Zertifizierungen fragen.
Quellen
- Bundesamt für Umwelt BAFU: PFAS im Grundwasser – NAQUA
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS)
- VSA – Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute: PFAS-Leitfaden 2024 (PDF)
- TZW Karlsruhe: PFAS-Entfernung mit Umkehrosmose und Aktivkohle, energie | wasser-praxis 9/2024
- Lenntech: PFAS removal by reverse osmosis
- Evodrop Schweiz: PFAS filtern – Schadstoffe sicher entfernen
- SRF Kassensturz: Mineralwasser-Test 2024 (PFAS/Mikroplastik), srf.ch
- Empa / NFP 73: Forschungsprogramm PFAS-Abbau, Dübendorf 2024–2026
- Öko-Institut / Eurofins Schweiz: PFAS in Lebensmitteln – geregelt ab 2024
Meer artikelen
- PFAS-Klagen in der Schweiz: Können Betroffene Schadenersatz fordern?
- EU-PFAS-Beschränkung und die Schweiz: Wie weit geht die Übernahme ins Schweizer Recht?
- Schweizer PFAS-Regulierung: Was plant das BAFU bis 2027?
- PFAS in Schweizer Seen und Flüssen: Belastungsdaten und was du konkret tun kannst
- PFAS-Sanierung: Welche Technologien werden in der Schweiz eingesetzt?
Prüfen Sie Ihre eigene Adresse
Fordern Sie einen persönlichen PDF-Bericht an, basierend auf dem landesweiten Kataster der belasteten Standorte (KbS).
- Bekannte belastete Standorte im Umkreis Ihrer Adresse, mit Status und zuständiger Behörde
- Verständliche Einordnung, was der Status praktisch bedeutet
- Sofort nach der Zahlung herunterladbar, innerhalb einer Stunde auch per E-Mail, jederzeit erneut herunterladbar
KbS-Bericht anfordern →
🔒 Sichere Zahlung über Mollie · kein Abo