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PFAS im Hausstaub: Wie stark sind Schweizer Wohnungen belastet?

13. Juli 2026

Dein Staubsauger sammelt jede Woche nicht nur Brotkrümel und Fussel ein, sondern auch winzige Partikel von Teppichimprägnierungen, Kochgeschirrbeschichtungen und wasserabweisenden Textilien. Dahinter stecken häufig per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, kurz PFAS, eine Gruppe von mehr als 10'000 synthetischen Chemikalien, die seit den 1950er-Jahren in unzähligen Konsumprodukten eingesetzt werden. Dass PFAS in Trinkwasser oder Boden auftauchen, ist inzwischen vielen bekannt. Dass sie sich aber auch im Hausstaub anreichern und damit direkt in deinem Wohnzimmer kreisen, wird oft unterschätzt.

Was genau ist PFAS im Hausstaub?

Hausstaub ist kein einheitliches Material. Er besteht aus Hautschuppenresten, Textilfasern, Bodenpartikeln und Abrieb von Oberflächen. Genau dieser Abrieb ist das Problem: Beschichtungen auf Teppichen, Sofastoffen oder Kochpfannen geben im Laufe der Zeit winzige PFAS-haltige Partikel ab. Diese binden sich an Staubpartikel und bleiben in der Raumluft oder setzen sich auf Böden ab, wo sie wieder aufgewirbelt werden können.

Globale Studien, die Hausstaubproben aus mehreren Kontinenten verglichen haben, fanden mediane Gesamtkonzentrationen von rund 17 bis knapp 200 Nanogramm PFAS pro Gramm Hausstaub (ng/g), je nach Region und Produktnutzung in den Haushalten. Eine 2024 im Fachjournal 'Environment International' veroeffentlichte Metaanalyse wertete Hausstaubdaten aus sechs Weltregionen aus und stellte fest, dass in allen untersuchten Proben PFAS nachweisbar waren, unabhängig davon, ob die Wohnung in Europa, Nordamerika oder Asien lag.

Schweizer Wohnungen wurden in diesen Untersuchungen nicht gesondert ausgewiesen, dürften aber im europäischen Mittelfeld liegen, da die Produktstandards weitgehend mit der EU harmonisiert sind. Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat PFAS in Böden, Grundwasser und Kläranlagen umfassend untersucht, eine nationale repräsentative Hausstaubstudie steht nach aktuellem Stand noch aus. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt die Tatsache, dass der Bundesrat im Dezember 2025 einen eigenen Aktionsplan zu persistenten Chemikalien verabschiedet hat.

Mythos 1: 'Im Hausstaub sind die Mengen viel zu gering, um gefährlich zu sein'

Dieser Gedanke klingt beruhigend, stimmt aber nur bedingt. Die eigentliche Frage ist nicht die Konzentration pro Gramm Staub, sondern die kumulative Aufnahmemenge über alle Pfade hinweg. PFAS gelangen in den Körper durch Trinkwasser, Nahrung, Innenraumluft und eben durch Hausstaub, der versehentlich geschluckt oder eingeatmet wird. Kleine Kinder, die auf dem Boden spielen und Hände in den Mund nehmen, nehmen laut Schätzungen der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA bis zu zehnmal mehr Hausstaub auf als Erwachsene.

Bestimmte PFAS, insbesondere die langkettigen Verbindungen wie PFOS und PFOA, reichern sich im menschlichen Blut an und werden nur sehr langsam ausgeschieden. Die Halbwertszeit von PFOA im menschlichen Körper beträgt mehrere Jahre. Das BAFU hält in seinen Grundlagenpapieren fest, dass PFAS selbst in sehr niedrigen Konzentrationen als bedenklich gelten, weil sie sich akkumulieren und potenziell das Hormonsystem beeinflussen, die Schilddrüsenfunktion stoeren und das Immunsystem belasten können.

Die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat 2020 eine tolerable wöchentliche Aufnahme für eine Gruppe von vier PFAS (PFOS, PFOA, PFNA, PFHxS) von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Diese Schwelle wird laut EFSA von Teilen der europäischen Bevölkerung allein über die Ernährung bereits überschritten, bevor Hausstaub überhaupt berücksichtigt wird. Das macht deutlich: Jede zusätzliche Quelle, auch eine scheinbar kleine wie Hausstaub, zählt.

Mythos 2: 'Neuere Wohnungen sind PFAS-freier'

Viele Menschen gehen davon aus, dass neue Bauprojekte sauberer sind, weil seit 2020 in der Schweiz und der EU strengere Regelungen für bestimmte PFAS gelten. Das stimmt teilweise. PFOS und PFOA sind in der Schweiz über die Chemikalienverordnung (ChemV) seit Jahren verboten. Mit fortlaufenden Revisionen hat die Schweiz mehrere EU-Beschränkungen übernommen, und der Bundesrat-Aktionsplan 2025 zeigt, dass weitere Massnahmen folgen sollen.

Das Problem: Es gibt mehr als 10'000 verschiedene PFAS-Verbindungen. Wird eine verboten, kommen häufig kürzkettige Ersatzstoffe wie PFBS oder GenX-Verbindungen zum Einsatz, deren Langzeitwirkungen noch nicht vollständig erforscht sind. Neue Wohnungen enthalten also moeglicherweise weniger PFOA, dafür aber neuartige PFAS, über die die Forschung noch keine abschliessenden Aussagen machen kann. Das Prinzip des 'Regrettable Substitution' beschreibt dieses Muster: Eine als schädlich erkannte Verbindung wird durch eine Verwandte ersetzt, die ebenso persistent sein könnte.

Hinzu kommt: In renovierten Altbauten können ältere Beschichtungen auf Böden, Fensterrahmen, Dämmplatten oder Fugenmassen weiterhin PFAS freisetzen. Wer eine Altbauwohnung vor dem Jahr 2010 bezieht, kann davon ausgehen, dass dort PFAS-haltige Produkte verbaut wurden, die heute so nicht mehr zugelassen wären.

Woher kommen PFAS in Schweizer Wohnungen konkret?

Es gibt mehrere typische Eintragsquellen, die in Schweizer Haushalten besonders verbreitet sind:

  • Teppichboeden und Vorlegeplatten: Schmutzabweisend ausgerüstete Teppiche enthalten häufig fluorbasierte Imprägnierungen. Studien zu europäischen Teppichboeden haben PFAS-Verbindungen neben Phthalaten und Flammschutzmitteln nachgewiesen. Je länger ein Teppich im Gebrauch ist, desto mehr Abrieb gibt er ab.
  • Kochgeschirr mit Antihaftbeschichtung: Klassische PTFE-Pfannen gelten bei intakter Beschichtung als wenig problematisch. Wird die Pfanne aber verkratzt oder stark überhitzt, entstehen fluorierte Partikel und Gase. Schon ab etwa 260 Grad Celsius kann PTFE sich zersetzen und Partikel freisetzen.
  • Imprägniersprays: Wer Schuhe, Outdoorjacken oder Moebelstoffe regelmässig imprägniert, bringt PFAS direkt in den Innenraum. Nach dem Sprühen trocknen Partikel auf Oberflächen und können in den Hausstaub übergehen. Fluorbasierte Imprägniersprays sind nach wie vor in Schweizer Läden erhältlich.
  • Baumaterialien und Farben: Fassadenfarben, Dichtungen, Fugenmassen und bestimmte Bodenbeläge enthalten fluorierte Verbindungen für Witterungsbeständigkeit. Bei Innenrenovierungen können Schleif- und Fräsarbeiten feinen PFAS-haltigen Staub erzeugen.
  • Verpackungen und Lebensmittelkontaktmaterialien: Fettabweisend beschichtete Papierverpackungen von Fast Food, Backwaren oder Mikrowellenpopcorn sind eine unterschätzte Quelle. Reste dieser Verpackungen im Muelleimer können in Hausstaub übergehen, und PFAS aus Verpackungen können auch direkt auf Lebensmittel migrieren.
  • Outdoortextilien und Sportbekleidung: Goretex-ähnliche Membranen und wasserabweisende Funktionskleidung werden häufig mit PFAS ausgerüstet. Das Waschen solcher Kleidungsstücke setzt PFAS frei, die teils ins Abwasser, teils in die Wäschetrommel und indirekt in den Hausstaub gelangen.
  • Aussenluft und Schuhe: Kontaminierte Böden ausserhalb der Wohnung, etwa in der Nähe ehemaliger Loeschplaetze oder PFAS-belasteter Gewerbebetriebe, können durch Schuhe in die Wohnung eingetragen werden. Das BAFU hat im Rahmen seiner PFAS-Hotspot-Kartierung in mehreren Kantonen belastete Gebiete identifiziert, darunter Areale ehemaliger Militärflugplätze und Industriestandorte.

Mythos 3: 'Normales Staubsaugen loest das Problem'

Regelmässiges Staubsaugen reduziert die Staubmenge und damit auch die PFAS-Last auf Böden. Das ist besser als nichts. Allerdings gibt es einen wesentlichen Haken: Geräte ohne HEPA-Filter blasen feinste Partikel zurück in die Raumluft. PFAS-haltige Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, passieren einfache Filter problemlos und werden dann eingeatmet statt gesammelt.

Empfehlenswert ist ein Sauger mit zertifiziertem HEPA-H13-Filter oder besser. Auch das feuchte Wischen von Hartboeden hilft, weil Partikel gebunden werden statt aufzuwirbeln. Nach Renovierungsarbeiten, bei denen Abrieb entsteht, sollte der Raum gründlich und wiederholt gelüftet werden. Ein häufig übersehener Tipp: Staubsaugerbeutel frühzeitig wechseln, denn volle Beutel können Partikel rueckstauen.

Wie hoch ist die tatsächliche Belastung in Schweizer Wohnungen?

Konkrete Messwerte für Schweizer Haushalte sind rar. Das BAFU und das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) konzentrierten sich bisher vor allem auf Belastungspfade über Trinkwasser, Fisch und Lebensmittel. Bei den 550 analysierten Grundwasserproben, die das BAFU ausgewertet hat, war in jeder einzigen Probe Trifluoressigsäure (TFA) nachweisbar, einem Abbauprodukt verschiedener PFAS-Verbindungen. Das zeigt, wie flächendeckend PFAS in der Schweizer Umwelt verbreitet sind.

Für Hausstaub liegen europäische Vergleichswerte aus Deutschland, den Niederlanden und Grossbritannien vor, die typischerweise PFAS-Konzentrationen zwischen 20 und 150 ng/g in Wohnhaushalten zeigen. Skandinavische Städte wiesen in einzelnen Studien höhere Werte auf, was mit dem traditionell stärkeren Einsatz fluorierter Textilimprägnierungen zusammenhängt. Schweizer Wohnungen dürften in einem vergleichbaren europäischen Bereich liegen, wenngleich dies bisher nicht national repräsentativ erhoben wurde.

Besonders relevant für Schweizer Haushaltsentscheidungen: In Kantonen wie Bern, Zürich und Luzern gibt es ehemalige Militärliegenschaften und Industrieflächen, in deren Umgebung PFAS-belastetes Grundwasser nachgewiesen wurde. Wer in solchen Gebieten wohnt, sollte das Schuhe-Ausziehen am Eingang konsequent praktizieren und den eigenen Hausstaubeintrag von aussen minimieren.

Kinder und Haustiere tragen die Hauptlast

Wer im Haushalt kleine Kinder oder Haustiere hat, sollte besonders aufmerksam sein. Kleinkinder verbringen einen Grossteil ihrer Zeit auf dem Boden, stecken Hände und Gegenstände in den Mund und nehmen dadurch proportional viel mehr Hausstaub auf als Erwachsene. Kinder unter sechs Jahren gelten in der Risikoabschätzung als besonders vulnerable Gruppe, weil ihr Körpergewicht niedrig und die Aufnahmemenge relativ hoch ist.

Haustiere, insbesondere Katzen, nehmen beim Fellpflegen erhebliche Mengen Hausstaub auf und können dadurch hohe PFAS-Konzentrationen im Blut aufweisen. Dies wurde in mehreren europäischen Haustierstudien dokumentiert. Da Katzen dieselbe Innenraumluft und dieselben Böden teilen wie ihre Besitzer, gelten sie manchmal als Indikatoren für die Innenraumbelastung der Menschen im selben Haushalt.

Was sagt die Wissenschaft über Gesundheitsrisiken?

Die gesundheitlichen Effekte von PFAS sind gut dokumentiert, auch wenn die Forschung bei bestimmten neuartigen PFAS-Verbindungen noch lückenhaft ist. Für die klassischen langkettigen Verbindungen wie PFOS und PFOA gilt folgendes als wissenschaftlich gesichert: Sie erhöhen das Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere Nierenkrebs und Hodenkrebs. Sie stehen in Zusammenhang mit erhöhtem Cholesterinspiegel, veränderten Schilddrüsenhormonen und einem gedämpften Immunsystem.

Besonders kritisch ist die Wirkung auf Schwangere und Ungeborene. PFAS können die Plazentaschranke überwinden und wurden in Nabelschnurblut nachgewiesen. Eine verlängerte PFAS-Exposition in der Schwangerschaft steht in Studien mit reduziertem Geburtsgewicht, veränderter Immunantwort beim Neugeborenen und verzögerter neurologischer Entwicklung in Verbindung. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) empfiehlt schwangeren Frauen in der Schweiz daher, den Konsum von stark mit PFAS belastetem Fisch zu begrenzen und generell unnoetige Expositionen zu vermeiden.

Für kürzkettige PFAS und neuartige Ersatzstoffe ist die Datenlage dünner, aber nicht beruhigend. Erste Studien zeigen ähnliche Persistenz und teils vergleichbare toxikologische Profile. Das Vorsichtsprinzip, das in der Schweizer Chemikalienpolitik verankert ist, spricht dafür, auch diese Verbindungen ernst zu nehmen, solange keine Unbedenklichkeit nachgewiesen wurde.

Was du konkret tun kannst

Vollständig PFAS-frei zu wohnen ist illusorisch. Aber du kannst die Belastung deutlich senken, ohne das Leben umzukrempeln:

  • Kaufe Teppiche und Polstermoebel ohne Fluor-Imprägnierung. Achte auf Siegel wie bluesign oder OEKO-TEX MADE IN GREEN, die bestimmte PFAS einschränken.
  • Verzichte auf Imprägniersprays auf Fluorbasis. Wasserbasierte Alternativen auf Basis von Wachsen oder Silikon sind für viele Anwendungen ausreichend und enthalten keine PFAS.
  • Ersetze alte Antihaftpfannen mit verkratzten Beschichtungen. Gusseisen, emaillierter Stahl oder Edelstahl sind PFAS-freie Alternativen, die ebenso gut funktionieren.
  • Lufte regelmässig, mindestens zweimal täglich, besonders nach dem Staubsaugen und nach der Nutzung von Sprühmitteln jeglicher Art.
  • Verwende einen Staubsauger mit HEPA-H13-Filter oder besser. Wische Hartboeden zusätzlich feucht.
  • Schuhe konsequent am Eingang ausziehen, vor allem wenn du in der Nähe bekannter PFAS-Hotspots wohnst oder regelmässig auf PFAS-belasteten Böden unterwegs bist.
  • Feuchte Böden feucht wischen statt trocken kehren, damit Partikel nicht aufgewirbelt werden.
  • Funktionskleidung bei niedrigen Temperaturen waschen und ein Microplastik- und PFAS-Filter-Beutel beim Waschen von Kunstfasern verwenden.

Mythos 4: 'PFAS werden doch sowieso bald verboten'

Ein EU-weites Beschränkungsverfahren für alle PFAS als Stoffgruppe läuft seit 2023 beim Europäischen Chemikalienamt (ECHA). Fünf Länder, darunter Deutschland, die Niederlande, Schweden, Dänemark und Norwegen, haben einen gemeinsamen Vorschlag eingereicht. Dieses Verfahren ist jedoch komplex und sieht zahlreiche Ausnahmen für kritische Anwendungen vor, etwa in der Halbleiterindustrie, der Medizintechnik und dem Brandschutz.

Die Schweiz verfolgt diesen Prozess und passt ihre Chemikalienverordnung regelmässig an die EU-Entwicklungen an. Der Aktionsplan des Bundesrats vom Dezember 2025 zeigt, dass die Schweiz das Thema ernst nimmt. Trotzdem werden PFAS-haltige Produkte, die bereits im Umlauf sind, noch jahrzehntelang in Häusern und Böden vorhanden sein. 'Ewigkeitschemikalien' heissen sie nicht umsonst: PFAS bauen sich in der Umwelt so gut wie gar nicht ab. Das Verbot neuer PFAS hilft der künftigen Generation, loest aber das Problem der bereits vorhandenen Belastung in bestehenden Wohnungen nicht.

Konkret bedeutet das: Selbst wenn morgen ein vollständiges PFAS-Verbot in Kraft träte, hätte die Teppichbeschichtung in einer 2005 renovierten Wohnung noch genug Substanz, um weitere Jahrzehnte Partikel abzugeben. Die 'Ewigkeit' im Namen ist keine Übertreibung.

PFAS-Belastung in der Wohnung realistisch einschätzen

Es wäre falsch, in Panik zu verfallen. PFAS sind ubiquitär, und die Gesundheitswissenschaft weiss inzwischen, dass ein grösser Teil der Bevölkerung messbare PFAS-Spiegel im Blut hat, ohne dass daraus unmittelbare Akuterkrankungen folgen. Die Sorge gilt vor allem der Langzeitkumulation und besonders der Belastung von Kindern und Schwangeren.

Was die Schweizer Situation von manchen anderen Ländern unterscheidet: Die Trinkwasserversorgung ist mehrheitlich hochwertig, und das BAFU hat mit der Hotspot-Kartierung einen soliden Rahmen geschaffen, um Risikogebiete zu identifizieren. Wer wissen will, ob sein Wohnort in der Nähe eines bekannten PFAS-Hotspots liegt, kann die BAFU-Karten konsultieren oder bei seiner kantonalen Umweltbehörde nachfragen.

Das Ziel sollte sein, die eigene Gesamtexposition zu senken: weniger PFAS-haltige Produkte kaufen, vorhandene Quellen im Haushalt reduzieren und den Hausstaub konsequent und richtig beseitigen. Das ist realistisch umsetzbar, ohne den Alltag zu verunmoeglicen.

Häufige Fragen

Kann ich PFAS im Hausstaub selbst messen lassen?

Ja, es gibt Labore in der Schweiz und in Deutschland, die Hausstaubproben auf PFAS analysieren. Du sammelst eine bestimmte Menge Staub aus deinem Staubsaugerbeutel oder von Böden und sendest sie ein. Die Kosten liegen je nach Umfang der Analyse zwischen 200 und 600 Franken. Das Ergebnis gibt dir einen Überblick, zeigt aber nicht automatisch, welche Quelle in deiner Wohnung am stärksten beiträgt.

Sind PFAS im Hausstaub in der Schweiz gesetzlich geregelt?

Bisher gibt es keinen Schweizer Grenzwert für PFAS in Hausstaub. Die Chemikalienverordnung (ChemV) regelt, welche PFAS in Produkten eingesetzt werden dürfen. Für Trinkwasser hat die Schweiz einen Gesamtrichtwert für bestimmte PFAS eingeführt. Einen ähnlichen Grenzwert für Innenraumstaub gibt es derzeit nicht, was bedeutet, dass du als Mieter oder Eigentümer keine rechtliche Handhabe gegen bestehende PFAS-Quellen in der Wohnung hast.

Sind fluorierte Kochpfannen wirklich gefährlich?

Eine intakte PTFE-Beschichtung gilt bei normalen Kochtemperaturen unter 230 Grad Celsius als wenig problematisch. Problematisch wird es, wenn die Beschichtung verkratzt ist oder die Pfanne stark überhitzt wird. In diesen Fällen können fluorierte Partikel und Gase freigesetzt werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann auf Gusseisen, Edelstahl oder emailliertes Gusseisen umsteigen, die ohne PTFE auskommen und bei richtiger Pflege ebenso gute Kocheigenschaften bieten.

Helfen Luftreiniger gegen PFAS im Innenraum?

Luftreiniger mit HEPA-Filter und Aktivkohlefilter können PFAS-haltige Partikel und in geringem Masse auch gasförmige PFAS aus der Raumluft entfernen. Sie ersetzen aber kein regelmässiges Lüften und keine Reduktion der Quellen. Am wirkungsvollsten ist die Kombination aus Quellreduktion, regelmässigem Lüften und mechanischer Reinigung mit einem HEPA-Staubsauger.

Ist die PFAS-Belastung in Stadtwohnungen höher als auf dem Land?

Das lässt sich pauschal nicht sagen. In Stadtwohnungen kann die Belastung durch höhere Produktdichte und Verkehrsemissionen leicht erhöht sein. Auf dem Land hingegen kann die Nähe zu landwirtschaftlich genutzten Flächen, auf denen PFAS-haltiger Klärschlamm ausgebracht wurde, oder zu ehemaligen Militär- und Flugplätzen mit Loeschschaum-Nutzung die Belastung erhöhen. Das BAFU-Projekt zur PFAS-Hotspot-Kartierung erfasst solche regionalen Unterschiede systematisch und ist öffentlich einsehbar.

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